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Donnerstag, 23. Juni 2016

"Ups, Falle Realität!" - Annahme oder Realisation?


Viele unserer Thesen ob des Seins, wie und was wir sind, die Dinge sind, sind Annahmen und nur wenige basieren auf Realisation und Aktualisierung.
Hier liegt eine große Falle verborgen, die Ursache zahlloser Verstrickungen und Leidensgeschichten ist – vor allem aber beständiger Kreator diverser Illusionen.

So werden viele Menschen beispielsweise berührt vom Konzept des Mitgefühls im Buddhismus, im Christentum etc.. Aus einer tiefen Sehnsucht danach (weil wir selbst danach dürsten) übernehmen wir dies Konzept als Annahme, wird gehen von nun ab davon aus, dass wir selbst mitfühlend sind, geben uns von nun ab auch so und erwarten von nun ab, dass alle Menschen doch diesem Ideal entgegen streben sollten.

Der Haken: Solange ich mich selbst nicht als zutiefst verbunden mit allem Sein realisiert habe, ist all das nur eine Annahme, ein neues Bild, eine Skizze – mehr nicht. Würde ich mich selbst genauer beobachten, könnte ich im Gegensatz dazu eher realisieren, dass mein Handeln und Denken ziemlich egozentrisch ist und ich praktisch viel mehr weiterhin eine Kultur des Differenzierens, Bewertens und Urteilens pflege. Dieses Handeln an sich ist erst einmal nicht pathologisch, sondern dient dem Selbstschutz des Egos. Würde ich die Allverbundenheit realisieren, wäre ich (das Ego) wesentlich verletzlicher, empfindsamer für den Schmerz und das Leid der Welt und dies erscheint dem Ego als unzumutbar, unerträglich. Ergo grenzt es sich unbewusst, nichts desto trotz aber kräftig ab von der Allverbundenheit.

Der Weise, Erleuchtete oder wie immer man es nennen mag, handelt hier ohne nachzudenken, aus der Buddhanatur heraus, da er/sie innerhalb der Realisierung nicht anders kann als zu intervenieren, wenn er/sie Leid begegnet.
Populärer jedoch ist, aus der Kognition heraus zu handeln, „Ah, das ist ein Obdachloser, dann braucht der Hilfe! Was braucht der wohl, sicher ne Wohnung und etwas zum Lebensunterhalt!“ Wichtig: Das ist eine Annahme, nicht die Realität! Annahmen können per se richtig sein, tendenziell jedoch haben sie wenig Fundament und sind sehr wackelig, entsprechen häufig nicht der Realität.

Hier wird es spannend: Was geschieht mit den Annahmen? Wir machen die Annahmen zu unserer „Realität“, indem wir sie peu à peu einbetonieren und sie somit zu Überzeugungen machen, an die wir glauben.
Ein Glaube entsteht!
Und der eigene Glaube ist ja etwas Unantastbares, das man nicht in Frage stellen darf.

Das Ego macht die eigenen Überzeugungen zu Teilen der eigenen Identität und alles, was diese Identität ins Wanken bringt, ist bedrohlich, gefährlich und muss zwingend beseitigt werden, da das Selbst sich in seinem tiefsten Wesen bedroht fühlt. Nicht ohne Grund sind die meisten Kriege Glaubenskriege und die härtesten „Gegner“ sind eben Überzeugungstäter/innen!

Versuche nicht, hieraus eine neue Annahme zu machen, geschweige dichte dem Realität zu. Realität ist, was die ganze Zeit stattfindet, während Du hier nachdenkst....:-)

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